Bereits Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts beobachteten Wissenschaftler, dass Übergewichtige vor allem dann abnehmen, wenn die Kohlenhydratzufuhr reduziert wird.
Und auch heutzutage liegt man mit einer kohlenhydratreduzierten, aber dafür fett- und eiweißreichen Ernährung voll im Trend. Ein wichtiger Vorreiter dieser lowcarb-Welle ist der mittlerweile verstorbene Robert C. Atkins. Bei der Atkins Diät ist ausdrücklich das erlaubt, was fast alle anderen Diäten verbieten: Fettes Fleisch, Mayonnaise, Sahne, Eier, Käse, Nüsse, Fisch usw. Dafür muss man auf kohlenhydrathaltige Lebensmittel nahezu ganz verzichten: Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln stehen künftig nicht mehr auf dem Speiseplan.
Obwohl viele Ernährungsexperten und auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung aufgrund solcher abstrusen Empfehlungen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, erhält die Atkins Diät aus dem wissenschaftlichen Lager Unterstützung: In bis zu 50 Tage dauernden vergleichenden Therapiestudien konnte die fettreiche (ca. 100 g Fett pro Tag), aber dafür kohlenhydratarme (ca. 40 g Kohlenhydrate pro Tag) kalorienreduzierte Ernährungsweise (ca. 1350 kcal pro Tag) Vorteile bei der Gewichtsreduktion verzeichnen. Hierbei ist vor allem der relativ hohe Sättigungsgrad dieser Ernährungsform zu erwähnen.
Auch die Gefahr der Verschlechterung der Blutwerte konnte nicht bestätigt werden. Das Gegenteil war sogar der Fall. Bei den Probanden, die vor Beginn der Diät zu hohe Cholesterin- und Triglyceridwerte hatten, normalisierten sich diese im Verlaufe der Diät. Dies ist besonders verwunderlich, da durch eine fettreiche und kohlenhydratarme Diät übermäßig viel gesättigte Fettsäuren konsumiert werden. Gesättigte Fettsäuren werden im Allgemeinen für schlechte Blutfettwerte mitverantwortlich gemacht.
Zwei weitere klinische Studien, die über
einen Zeitraum von 6 bzw. 12 Monaten durchgeführt wurden,
konnten die Überlegenheit einer fett- und eiweißreichen
Ernährung teilweise bestätigen. Bei der 6-monatigen
Studie wurden 132 stark Übergewichtige (BMI größer 40), die
zum Teil an Diabetes mellitus erkrankt waren, entweder mit einer
fettarmen oder einer kohlenhydratarmen (maximal 30 g
Kohlenhydrate pro Tag) Diät behandelt. Die Gewichtsabnahme war
bei der kohlenhydratreduzierten Gruppe signifikant höher. Die
Diabetiker dürfte dabei noch folgendes interessieren: Die
Insulinsensitivität sowie die Diabeteseinstellung der Diabetiker
verbesserten sich.
Die zweite Studie, mit 63 Teilnehmern, kam zu ähnlichen
Ergebnissen. Die kohlenhydratreduzierte Gruppe erzielte in den
ersten 6 Monaten eine höhere Gewichtsabnahme. Nach 12 Monaten
waren jedoch beide Gruppen wieder gleich auf.
Die Ursache für die schnellere Gewichtsabnahme bei kohlenhydratarmer Ernährungsweise ist bisher unbekannt. Man vermutet jedoch, dass eine Stoffwechselsteigerung der Grund sein könnte.
Trotz dieser positiven Befunde, sollten man nicht vergessen, dass langfristige Erfahrungen fehlen. Wissenschaftler befürchten immer noch schwerwiegende Folgen für die Gesundheit aufgrund einer solchen Ernährungsweise. Ob dies der Fall ist, müssen weitere Untersuchungen zeigen.
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